Die Kolonialisten - Kapitel I
by ~miholKapitel 1 Die Kolonialisten
Sie waren die Vorboten, die Geister der Ahnung, stille Unheilsverkünder. Noch ehe deutliche Zeichen Hinweise auf das liefern konnten, was kommen sollte, waren sie diejenigen, die ihren stillen Ruf in die Welt hinausschrien. Sie umkreisten das große Tal, ließen sich auf einzelnen kargen Felsen nieder, welche es wie eine Festung einschlossen. Einige der dunklen Herolde suchten sich einen Platz, von dem aus sie das gesamte Tal überblicken konnten. Ihr Blick war starr auf das einsame Tal gerichtet. Einer nach dem anderen ließen sie sich auf einem Felsen, einem kleinen Hügel oder auf einem der zahlreichen Vorsprünge nieder, bis sie schließlich wie dunkle Dornen einer Krone der Finsternis ringsum aufgereiht waren. Dann wurde es still. Nichts regte sich mehr. Es war, als hätte die Welt ihren Atem angehalten. Die dunklen Wolken am Himmel verharrten in der Bewegung und hatten sich zu einer großen düsteren Masse geformt. Das Tal war nunmehr in ein dunkelgrünes unnatürliches Licht getaucht und vermischte sich mit dem drohenden Schwarz des Wolken verhangenen Himmels. Ein dumpfes Grollen drang aus weiter Ferne heran und im Tal erklang der Widerhall dieses undefinierbaren Geräuschs. Kein Gewitter, sondern vielmehr etwas, das bislang kein Mensch vernommen hatte. Das Grollen wurde lauter. Einige der Unheilsboten schraken auf und so mancher verlor Teile seines schwarz gefiederten Kleides. Als die ersten Federn der Rabenvögel ins Tal hinabschwebten, durchstieß etwas die tiefschwarze Wolkendecke und folgte dem sanften Sinkflug der ebenso schwarzen Federn
Schon seit Tagen herrschten diese kalten Herbstwinde und bliesen mir unangenehm ins Gesicht. Es war lange her, dass ich es mit einem Schal hatte bedecken müssen, um gegen peitschenden, eiskalten Regen gefeit zu sein, der wie ein Schwarm winziger Nadeln auf meine windgepeinigte Haut einstach. Mich fröstelte und ich zog den Schal fester ums Gesicht. Nur noch wenige Schritte trennten mich von der Anhöhe, die mir den Blick ins Tal liefern würde. Ich erspähte ein paar Raben, die über mir kreisten. Mit einem kurzen Krächzen, das beinahe wie ein mitleidiges Seufzen klang, huschte einer der schwarz gefiederten Zeitgenossen dicht neben mir vorüber, vollzog einen kraftvollen Flügelschlag und verschwand mit einem gekonnten Schwung hinter dem Hügelkamm. Einzelne Federn hatten sich aus seinem Kleid gelöst und ich fing eine von ihnen in der Luft noch ehe sie den Boden berühren konnte. Als ich die Feder mit einer Mischung aus Neugier und Bewunderung betrachtete, fiel mir die unnatürliche Stille auf. Nicht das leiseste Lüftchen regte sich. Angespannt horchte ich in die Stille hinein, kniff dabei meine Augen zusammen, als könnte dies mein Gehör schärfen. Dann vernahm ich das leise, dumpfe Grollen aus der Ferne, hielt gemeinsam mit der Welt den Atem an und lauschte.
Etwas Schweres aus blitzendem Metall fiel durch die Wolkendecke und raste wie ein Geschoss ins Tal. Ihm folgte lautlos ein dünner schwarzer Schwanz. Mit einem dumpfen, lauten Knall bohrte sich das Metall in den herbstlichen Boden, wühlte die Erde auf und verschwand mit einer derartigen Geschwindigkeit im Boden, dass weder Form noch Beschaffenheit des rasanten Torpedos auszumachen gewesen wären. Sein langer Schwanz war ein dickes, schwarzes Metallseil, das sich nun straffte und daraufhin leicht vibrierte. Die schnurgerade Linie verband Himmel und Erde, Kraterboden und Wolken. Das Geräusch von hydraulischen Motoren erklang. Pumpende rhythmische Töne, ein elektronisches Surren und ein Rasseln schwerer Eisenketten sowie das Rattern riesiger Zahnräder waren zu vernehmen.
Als das immer lauter werdende Grollen die Gegend einhüllte, blickte ich zum Himmel, um das vermeintlich drohende Gewitter erahnen zu können. Der unwirkliche Himmel mit seinen seltsam finsteren Wolkengebilden deutete zwar darauf hin, doch kein Blitz zuckte auf. Und der andauernde Regen hätte ein einsetzendes Gewitter ad absurdum geführt. Als ich den dumpfen Knall vernahm, schrak ich zusammen und instinktiv beschleunigte sich mein Schritt, da dieses Geräusch nichts Gutes zu verheißen schien. Ich hastete die letzten Meter zum Kamm des Hügels hinauf. Von dieser kurzfristigen Anstrengung außer Atem geraten, stand ich nun keuchend auf meinem Aussichtspunkt. Dort bot sich mir ein ungewohntes Bild, was mich einen Augenblick lang zu irritieren vermochte. Zunächst fiel mir die große Schar der Raben gar nicht richtig auf, welche ringsum Platz genommen hatten. Nachdem sich meine Atmung wieder beruhigt hatte, erblickte ich die schwarzen Vögel schließlich. Wie Zuschauer, die einem Theaterstück beiwohnen wollen, hockten sie auf ihren Rängen und warteten auf den ersten Akt. Dass dieser mit dem soeben vernommenen Knall, der einem gigantischen Paukenschlag glich, eingeläutet worden war, wurde mir bewusst, als ich das schwarze Kabel erblickte, das nun den Boden des Tals und den Wolken verhangenen Himmel zu verbinden schien. Im nächsten Augenblick ertönten Geräusche von Motoren, das rhythmische Pumpen einer hydraulischen Maschinerie und ich wusste, dass die Fortsetzung des Theaterstücks am Himmel stattfinden würde. Erwartungsvoll starrte ich auf die Stelle an der das lange schwarze Kabel in den Wolken verschwand. Meine Muskeln spannten sich, als die Wolkendecke auseinanderstob und sich ein noch dunklerer Schatten durch sie hindurchquälte. Der schwere Vorhang hob sich jetzt zum ersten Akt.
Als die aufgescheuchten Raben nun scheinbar ziellos und verwirrt im Tal umher flogen, bot sich mir der erste Blick auf das, was Ursprung der seltsamen Geräuschkulisse zu sein schien. Blinkendes Metall durchstieß die Wolkenmassen und reflektierte die Strahlen der nun wiederkehrenden Sonne. Ich erkannte ein fein gearbeitetes Geländer, welches ein zylinderförmiges Objekt umschloss. Das Gebilde ähnelte einer Taucherglocke mit runden Bullaugen, aus denen ein grünlich gelbes Licht drang. Die Fenster waren mit Milchglas ausgestattet und vereitelten so den Blick ins Innere des schwebenden Gebildes. Es folgte ein Dach in Form einer Blüte, wobei die Beschaffenheit der Blütenblätter eher an Libellenflügel erinnerte, denn sie schimmerten und glänzten im Sonnenlicht. Sie rotierten propellerartig, verlangsamten zusehends ihre Bewegung, schlossen den oberen Teil des Hauses immer mehr ein, um dann schließlich still zu stehen. Aus dem Blütendach ragte eine massives Rohr, welches zunächst einen Schornstein vermuten ließ, doch dann offenbarte sich meinen erstaunten und zugleich neugierigen Blicken eine weitere Blütenform, die der das Daches sehr ähnelte, nur dass sie weitaus kleiner war. Die rotierenden Blütenflügel verlangsamten ebenfalls ihre Bewegung und umschlossen den oberen Teil der Rotorstange als sie letztlich verharrten. Schließlich bot sich mir das schwebende Gebilde in seiner Gänze dar und gewährte mir einen eingehenden Blick darauf. Doch noch bevor ich jede Einzelheit studieren durfte, zerbarst unter mir abermals die Erde mit einem lauten Knall und ich sah ein weiteres Kabel, das Himmel und Erde miteinander verband. Sofort durchschnitt ein neuer Knall das Tal, welcher von leisen Maschinengeräuschen begleitet wurde, und dann sausten immer weitere Metallgeschosse aus dem Himmel, an ihren Enden jeweils die gleichen dicken Kabelschwänze. Mir bot sich ein Bild der Verwüstung und die Einschläge erinnerten mich an Bomben, die die Erde meterhoch aufwühlten und große Krater hinterließen. Mittlerweile ertrugen meine Ohren die heftigen Einschläge nicht mehr und ich versuchte den Lärm abzudämpfen, indem ich mir die Ohren zuhielt. Als ich glaubte, das Bombeninferno schon gar nicht mehr ertragen zu können, war es schlagartig vorbei. Nur noch das leise Summen von unzähligen Maschinen war zu hören, als auch das letzte der schwebenden Häuser sanft im Wind wogte. Langsam ließ ich meine Hände wieder sinken und starrte fast apathisch auf das Bild, das sich mir nunmehr bot. Ein Rabe flog auf eines der schwebenden Gebilde zu, umkreiste es mit majestätischer Anmut und mit einem kurzen aber kräftigen Flügelschlag entfernte er sich sodann wieder. Unvermittelt zerbarst eines der Fenster des Hauses. Das Geräusch des zerberstenden Glases war kaum zu hören. Doch durch die gewaltige Wucht, die aus dem Innern herrührte, wurden einige Splitter in meine Richtung geschleudert und einer verfehlte mich nur um wenige Zentimeter. In diesem Augenblick erwachte ich aus meiner Starre und wusste, es war Zeit zu gehen. Ich musste den anderen von meiner Entdeckung berichten. Und ein unbestimmtes Gefühl sagte mir, dass sich von nun an alles ändern würde.



















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~desire is infinite~
Das ist ein großes Kompliment. Immerhin betrachte ich mich nicht als Schreiberling.
Du machst es auf keinen Fall falsch.
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~desire is infinite~
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